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Pfarrer's Corner

Hier ist der Ort, an dem Gedanken zu aktuellen Zeiten, Evangelien und Themen für Sie veröffentlicht veröffentlicht werden.

Begonnen wurde diese Reihe durch, den inzwischen leider verstorbenen, Pfarrer Egon Borm. Pfarrer Kreuzig führte diese Tradition fort, nun hat unser Pastoralreferent Martin Wrasmann etwas für diese Seite geschrieben.

Vorbeischauen lohnt sich immer



Macht weit die Tore oder der Griff nach dem Strohhalm Drucken E-Mail
Friday, 23. December 2011

In einer Gemeinde sollte ein Krippenspiel sein. Wie jedes Jahr am Heiligen Abend. Diesmal hatten junge Leute das Krippenspiel selber geschrieben. Und sie hatten wirklich an alles gedacht. Sogar an Ochs und Esel, ja, sogar an das Stroh. Bei der Generalprobe, bei der angeblich generell alles schief gehen muss, ging tatsächlich allerhand ziemlich schief. Kaum einer hatte seinen Text im Kopf, die Kulisse war noch unfertig, und was das Schlimmste war: Die drei Könige hatte man schlichtweg vergessen. Aus unerfindlichen Gründen hatte man diese so wichtigen Rollen überhaupt nicht besetzt. Da man sie aber irgendwie doch für unentbehrlich hielt, schlug jemand vor, in der Gemeinde rumzufragen, wer spontan bereit wäre, König zu sein. Es müsse ja jetzt kein Text mehr auswendig gelernt werden, es würde genügen, wenn die drei ein Geschenk mitbrächten und das an der Krippe ablegten. Gesagt, getan. Und so war es ganz plötzlich Weihnachten und der Heilige Abend stand auf dem Programm. Die Kirche war voll, die Leute gespannt und die Schauspieler aufgeregt. Das Krippenspiel begann, und es begann gut, es lief wunderbar, niemand blieb hängen, und wenn doch mal einer ins Stottern kam, war es genau an der richtigen Stelle und hat zur Weihnachtsgeschichte wunderbar gepasst.

Und dann die letzte Szene: Auftritt der drei Könige, die last minute zu dieser Ehre gekommen waren. Ungeprobt traten sie auf, ganz live, wie es eben ist im Leben. Der erste König war ein Mann, Mitte vierzig vielleicht, oder auch schon älter. Er hatte eine Krücke dabei, brauchte sie aber offen-bar nicht. Alle schauten gespannt und spitzten die Ohren, als er die Krücke vor der Krippe ablegte und sagte: Ich hatte in diesem Jahr einen Autounfall. Ich lag lange im Krankenhaus. Niemand konnte mir sagen, ob ich je wieder laufen kann. Jeder kleine Fortschritt war für mich ein Geschenk. Diese Zeit hat mein Leben verändert. Ich bin aufmerksamer und dankbarer geworden. Es gibt für mich nichts Selbstverständliches mehr, aufstehen am Morgen, sitzen, gehen und stehen, dabei sein, alles ist wunderbar, alles ein Geschenk. Ich lege diese Krücke vor die Krippe als Zeichen für meinen Dank an den, der mich wieder auf die Beine gebracht hat! Es war sehr still geworden in der Kirche, als der zweite König nach vorne trat. Der zweite König war eine Königin, Mutter von zwei Kindern. Sie sagte: Ich schenke dir etwas, was man nicht kaufen und nicht sehen und nicht einpacken kann und was mir heute doch das Wertvollste ist. Ich schenke dir mein Ja, mein Einverständnis zu meinem Leben, wie es geworden ist, auch wenn ich zwischendurch oftmals nicht mehr glauben konnte, dass du wirklich einen Plan für mich hast. Ich schenke dir mein Ja zu meinem Leben und allem, was dazu gehört, meine Schwächen und Stärken, meine Ängste und meine Sehnsucht, die Menschen, die zu mir gehören, mein Ja auch zu meinem Zweifel und zu meinem Glauben. Jetzt trat der dritte König vor. Ein junger Mann mit abenteuerlicher Frisur, top gekleidet, gut gestylt, so wie er sich auf jeder Party sehen lassen könnte, und alles hielt den Atem an, als er mit ziemlich lauter Stimme sagte:
Ich bin der König mit den leeren Händen! Ich habe nichts zu bieten. In mir ist nichts als Unruhe und Angst. Ich sehe nur so aus, als ob ich das Leben leben kann, hinter der Fassade ist nichts, kein Selbstvertrauen, kein Sinn, keine Hoffnung. Dafür aber viel Enttäuschung, viel Vergebliches, viele Verletzungen auch. Ich bin der König mit den leeren Händen. Ich zweifle an so ziemlich allem, auch an dir, Kind in der Krippe. Meine Hände sind leer. Aber mein Herz ist voller Sehnsucht nach Vergebung, Versöhnung, Geborgenheit und Liebe. Ich bin hier und halte dir meine leeren Hände hin und bin gespannt, was du für mich bereit hast.

Tief beeindruckt von diesem unerwarteten Königsauftritt zum Schluss stand jetzt eine merkwürdig bedrückende Sprachlosigkeit im Raum bis Josef spontan zur Krippe ging, einen Strohhalm herausnahm, ihn dem jungen König in die leeren Hände gab und sagte:

Das Kind in der Krippe ist der Strohhalm, an den du dich klammern kannst! Weil alle spürten, dass so gesehen alle mehr oder weniger Könige mit leeren Händen waren, trotz voller Taschen und Geschenke, konnte man die Betroffenheit mit Händen greifen. Und so kam es, dass am Ende alle Leute in der Kirche nach vorne zur Krippe gingen und sich einen Strohhalm nahmen. Und da wurde auf einmal deutlich, dass es am Heiligen Abend ganz und gar keine Schande ist, mit leeren Händen dazustehen, sondern geradezu die Voraussetzung, dass man etwas entgegennehmen, etwas bekommen kann.

Weihnachten wird nicht unterm Baum entschieden

Liebe Gemeindemitglieder,

„Weihnachten wird unter dem Baum entschieden“. Mit diesem Slogan wirbt seit ein paar Tagen eine große Elektrokette. Pfiffig, würde ich sagen. Auf die Idee muss man erst mal kommen. Sechs Wörter. Leicht zu merken. Markant, Provozierend. Anregend, zum Nachdenken und zum Kaufen. Genau diese Funktion sollte ein Werbeslogan ja haben.

Viele in den Kirchen regen sich auf über diese Inanspruchnahme des Weihnachtsfestes und antworten: nein, Weihnachten wird in der Krippe entschieden. Ich denke: weder unterm Baum, noch in der Krippe, noch unterm Stern: Weihnachten ist schon entschieden.
Gott hat sich bereits für uns entschieden, einfach so, aus Liebe.
Gott liebt uns so, wie wir sind.
Wir können unser Leben aushalten, weil einer da ist, der mit geht. Wir brauchen Weihnachten nicht auf Hochglanz polieren. Wir können und dürfen unsere Fragen und unserer Sehnsucht trauen. Wir können daran glauben, dass es da jemanden gibt, der unseren Alltag überschreitet und überspannt. Wir sind beschirmt und behütet. Wir dürfen glauben, dass jemand da ist, der meinem Leben Sinn gibt. Auch wenn es nicht so läuft, wie von mir selbst gedacht oder erhofft, zu Bethlehem geboren, von Gott geschenkt.

Das Entscheidende ist längst geschehen: Gott ist da. Und Gott ist nicht irgendwo, sondern genau hier. Bei mir und dir. In deinem Alltag. In deinem Stress. In deiner Schulklasse und an deinem Arbeitsplatz. Da muss man mal drüber nachdenken: Weihnachten ist längst entschieden, in Dir, durch Gott.

Das ganze Team von St. Altfrid wünscht Ihnen entschiedene Weihnachtstage, stellvertretend für alle

Martin Wrasmann, Pastoralreferent
 
„Der Heilige Geist als Chefcoach“ Drucken E-Mail
Friday, 1. July 2011

Die Frauen Fußball-WM zieht in diesen Tagen viele Menschen in ihren Bann, mehr als erwartet. Auch die Kirchen beteiligen sich hier in Wolfsburg mit einem vielfältigen Programm an dieser WM, unter dem Thema Fußball und Glaube. Da gibt es schon eine Menge vergleichendes. Ich glaube, Jesus würde in der heutige Zeit Fußballgleichnisse erzählen. Immer wenn er Gleichnisse erzählt hat, hat er darauf geachtet, dass es klar, einfach und kurz ist und dass die Menschen es verstehen können. Das heißt, er hat die Inhalte der Gleichnisse aus der Lebenswelt der Leute genommen. Und die Lebenswelt von uns heute ist nicht mehr der Fischfang, sondern - zumindest in Tagen wie diesen - eher der Fußball.

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Es ist noch alles Zukunft Drucken E-Mail
Thursday, 23. December 2010

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Schwestern und Brüder in der Pfarrgemeinde,

zuerst möchte ich Ihnen herzlich danken für Ihre so zahlreichen guten Wünsche zum Weihnachtsfest und Ihre guten Gedanken, die Sie mir auf meinen noch immer nicht so leichten Weg wieder und wieder mitgeben. Sie geben mir Kraft und ich bin sehr dankbar für jeden einzelnen davon. Meine Gedanken, Gebete und guten Wünsche sind bei Ihnen allen, gerade auch bei denen, von denen ich weiss, dass es ihnen ebenfalls nicht so gut geht.
In einem der vielen Briefe, die ich bekommen habe, fand ich einen Gedanken von Karl Rahner, den Sie im letzten Absatz der hier folgenden Gedanken finden. Er hat sie vor nun fast 30 Jahren veröffentlicht. Ich fand immer mehr, dass seine Gedanken Ihnen und mir gute Begleiter am diesjährigen Weihnachtsfest und ins Jahr 2011 sein können.

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