St. Altfrid, Gifhorn. Über Kinderarmut sprach Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann in der Gifhorner St. Nicolai-Kirche am 27. Mai 2008. Rund 500 Besucher hörten den Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion.
„So wird es dir und deinen Kindern wohl ergehen (5. Mose 4,40) Kinder fördern von Anfang an.“ Unter diesem Titel ging die Landesbischöfin zunächst auf statistische Daten zur Kinderarmut ein. Es sei ein Skandal, dass jedes sechste Kind in Niedersachsen von Sozialhilfe abhängig sei.
Aus theologischer Perspektive betonte sie die Würde jedes Kindes – auch des kratzbürstigen kiffenden Jugendlichen oder der magersüchtigen Pubertierenden. Käßmann bot die biblische Szene an der Krippe als Idealbild für die Versorgung eines Kindes an: hier sind beide Eltern zugegen, die Hirten nehmen als Nachbarn Anteil und weise wohlhabende Männer sorgen für das materielle Wohl des Kindes.
Ganz praktisch forderte die Landesbischöfin die Wiedereinführung der Schulbuchfreiheit in Niedersachsen und wandte sich gegen eine Zahlung von 150 Euro an Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen. Armut bestehe gerade auch in Kontaktarmut; so sei es besser, diesen Eltern z.B. Gutscheine für die Musikschule oder den Reitunterricht ihrer Kinder zu geben.
Foto (Stephan Eimterbäumer): Auf dem Podium in ernster Diskussion, von links: Die Niedersächsische Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann, Rektor Klaus Rautenbach, Moderator Martin Wrasmann, Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann und Caritasdirektor Dr. Jürgen Markus.
Auf dem anschließenden Podium diskutierten mit der Bischöfin die Niedersächsische Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann, der Direktor des Caritas-Verbandes Hildesheim Dr. Hans-Jürgen Markus und der Rektor der Grundschule Isenbüttel Klaus Rautenbach. Rautenbach forderte von der Ministerin eine Ausstattung der Ganztagsschulen, die diesem Namen gerecht werde. Die Ministerin konterte diese und ähnliche Forderungen nach mehr Geld damit, dass auch die Haushaltskonsolidierung ein Dienst an den kommenden Generationen sei.
Markus trug den Gedanken ein, dass das Hauptproblem vieler Armer nicht der Geldmangel für sich sei, sondern die damit verbundene Ausgrenzung und Missachtung ihrer Würde. Hier könne die Gesellschaft insgesamt ohne zusätzliches Geld etwas tun. Ferner stellte Markus es als spannende Zukunftsfrage dar, wie in einer postmodernen Gesellschaft Solidarität gedacht und gelebt werden könne.
Dann öffnete Moderator Martin Wrasmann von der katholischen Pfarrgemeinde St. Altfrid die Runde für Fragen des Publikums, wovon reger Gebrauch gemacht wurde. Etliche Fragesteller bezweifelten die Zukunftsfähigkeit des dreigliedrigen deutschen Schulsystems.
Einigkeit bestand auf dem Podium, dass die Politik bei den Themen Kinderarmut und Bildung gefordert sei; aber begleitend seien auch flexible nachbarschaftliche und bürgerschaftliche Hilfen möglich und wünschenswert.
Zum Schluss stellte Superintendent Michael Thiel eine Aktion der Kirchenkreisstiftung „Zeit-Stiften“ und der katholischen St. Altfrid-Gemeinde vor: In ökumenischer Zusammenarbeit werden über die Kirchengemeinden an rund 150 bedürftige Schulanfänger so genannte Starter-Pakete verschenkt, die vom Tuschkasten bis zur Schere einen Beitrag zu schulischen Erstausstattung darstellen.
Musikalisch gerahmt wurde der Abend durch schwungvolle Stücke des Posaunenchors St. Nicolai unter der Leitung von Kirchenkreiskantor David Menge. Eine Kollekte am Ausgang ergab 920 Euro für kirchliche Aktionen gegen Kinderarmut. (se)
In einer ökumenischen Aktion sind bis zur Einschulung 150 Schulstarter-Pakete ausgegeben worden. Sie bestehen aus einer bunten Bastelbox mit hochwertigem Schulbedarf, der in allen ersten Klassen im Umkreis gleichermaßen nötig ist: z.B. Tuschkasten, Lineal, dicke Bleistifte, Klebstoff. Dazu gibt es ein Gutschein über 20 Euro, der für Schulbedarf gedacht ist, der von Schule zu Schule variiert.
Die Aktion im Gebiet des Kirchenkreises Gifhorn konzentriert sich auf Kinder aus Hartz IV-Familien, die jetzt eingeschult werden. Zuvor wurde bei den Schulen der Bedarf ermittelt. Dann hatten alle Familien auf den Elternabenden vor der Einschulung einen Brief mit Hinweis auf diese Hilfsmöglichkeit erhalten. „Die Nachfrage war hoch und wir haben die Zielgruppe fast zu 100% erreicht“ resümiert Projektkoordinator Stephan Eimterbäumer.
von links: Superintendent Michael Thiel, Pastor Stephan Eimterbäumer, der Vorsitzende der Stiftung - Zeit-Stiften Ernst von Lüneburg, Pastoralreferent Martin Wrasmann
Die Gifhorner Aktion wurde getragen von der diakonischen Kirchenkreisstiftung „Zeit-Stiften“ und der katholischen Pfarrgemeinde St. Altfrid in Zusammenarbeit mit der Firma Beyer Bürobedarf. Die Verteilung erfolgte über die Pfarrämter, so dass sich auch ein menschlicher Kontakt ergab und weitere Hilfsmöglichkeiten erörtert werden konnten. „Unser Ziel war es, unbürokratisch zu helfen. Wir haben auch in einigen Grenzfällen Pakete ausgeben“, sagt Superintendent Michael Thiel.
Pastoralreferent Martin Wrasmann sieht auch im nächsten Jahr Bedarf für diese Aktion, die zugleich die Politik in die Pflicht nehmen soll, allen Kindern einen angemessenen Schulstart zu ermöglichen. „Der nächste Übergang ist der Beginn der fünften Klasse. Der ist noch teurer für die Familien“, weiß Wrasmann.
Das Projektvolumen beläuft sich bisher auf rund 8.500 Euro. „Die Aktion konnte komplett aus Spenden der Öffentlichkeit gedeckt werden“, freut sich der Vorsitzende der Stiftung „Zeit-Stiften“ Ernst von Lüneburg.
Die Hannoversche Landeskirche hat einen besonderen Akzent auf die Bekämpfung von Kinderarmut gesetzt. Zum Auftakt hielt Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann einen Vortrag in der Gifhorner St. Nicolai-Kirche mit anschließender Podiumsdiskussion. Hier wurde auch das erste Gifhorner Starter-Paket vorgestellt. Von der Diskussion sind verschiedene Impulse ausgegangen, wie armen Kindern im Raum Gifhorn geholfen werden kann, u. a. das Projekt „Kleine Kinder immer satt“, das für Mittagessen in Kindertagesstätten sorgt und die Projektstelle in der Gifhorner Kinderklinik.
Quelle: Aller-Zeitung
Projekte im Themenbereich Kinderarmut - "Kleine Kinder - immersatt"
"Kleine Kinder - immersatt" ist eine Initiative der kath. Kirchengemeinde St. Altfrid, den ev.-luth. Kirchengemeinden in Gifhorn, dem DRK und der Stadt Gifhorn, um Kinder aus sozial schwachen oder geschwächten Familien, regelmäßiges Essen in den Gifhorner Kindertagesstätten zu ermöglichen.
Mehr über diese Aktion und wie Sie dieses Projekt unterstützen können, finden Sie im angehängten Flyer.
"Begleitung von Familien in der Gifhorner Kinderklinik"
Ein weiteres Projekt im Themenbereich Kinderarmut ist die "Begleitung von Familien in der Gifhorner Kinderklinik".
In der Gifhorner Kinderklinik werden zunehmend Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund (Osteuropa, ehem. GUS-Staaten, Türkei etc.) und anderer schwieriger sozialer oder bildungsbezogener Erschwernisse stationär behandelt.
Die Deutschkenntnisse der Eltern von Migranten, im Wesentlichen der Mütter,
sind oft sehr defizitär, eine soziale Kompetenz ist oft sehr schwach entwickelt. Eine aus medizinischer Sicht oft notwendige Mitwirkung der Eltern am Genesungsprozess des kranken Kindes ist nur schwer möglich, weil die Krankheit und auch der medizinische Behandlungsweg nur sehr mühsam vermittelt werden kann.
Die kath. Kirchengemeinde St. Altfrid, der ev.luth.Kirchenkreis Gifhorn und die Leitung der Gifhorner Kinderklinik haben deshalb einen Kooperationsvertrag geschlossen und eine dreijährige Projektstelle eingerichtet, die am 01. August 2008 beginnt. Mehr... (siehe Anhang.)
Unsere Nachbarn in Gifhorn
Eine gute und interessante Zusammenarbeit pflegen wir mit unseren evangelischen Nachbarn.
Gemeinsame ökumenische Gottesdienste, die Vorbereitung und Durchführung des Weltgebetstages und vieles mehr bringt die katholischen und evangelischen Christen näher zusammen.
Nun haben wir Anregungen aufgegriffen, die Kirchen zu "verlinken".
Durch die Links kommen Sie auf die Seiten der jeweiligen Kirchen.