Eine Glosse von F.-J. Block

Man kann zuweilen die Meinung hören, wir seien keine christliche Gesellschaft mehr, die Religion verdunste rapide über weite Strecken, Kirche sei in einer wissenschaftlichen und hoch technisierten Welt unattraktiv und chancenlos. Ansichten, die nahe legen, der Mensch könne mit Gott nichts mehr anfangen.

Doch offenbar stimmt das gar nicht. Ganz im Gegenteil. Ich habe vielen Menschen zugehört und dabei eine ganz andere Erfahrung gemacht. Der größte Teil meiner Mitmenschen spricht sehr wohl von Gott. Ja mehr noch – er dankt ihm häufig für alles.

Hier nun eine kleine Auswahl zeitgenössischer Stoßgebete:

Gott sei Dank! Immer wieder zu hören und aus tiefstem Herzen kommend .“Gott sei Dank hat es nicht geregnet.“ „Wir waren Gott sei Dank versichert.“
Ach du lieber Gott! Passiert bei Überraschungen aller Art. Je nach Tonfall positiv oder negativ.
Großer Gott! Hier nimmt das Gebet choralartige Züge an. Sozusagen das Te Deum im Alltag.
Mein Gott, mein Gott! Oft von Kopfschütteln begleitet bei außerordentlichen Angelegenheiten. „Mein Gott, mein Gott, hier sieht es aber aus!!“
Ja mein Gott noch mal! Beliebte Anrufung, wenn der Andere nichts begreift. „Ja, mein Gott, wie oft soll ich es denn noch sagen?!“
Ach Gottchen! Der Gipfel der dümmlichen Verniedlichung beim Bedauern. „Ach Gottchen, ist der Junge hingefallen?“
Um Gottes Willen! Beteuerung mit Verstärkung durch den Ewigen! „Um Gottes Willen, das würde ich nie tun!“
Gott im Himmel! Direkt an seinen Wohnsitz gerichtet. Man schlägt dabei die gekreuzten Arme an die Brust.
Das walte Gott! Das ist gut so, und Gott garantiert es. „So eine Kreuzfahrt ist eine Wucht!“ - Das walte Gott!
Gott erhalt’s! Das sprechen viele Männer innig mit. Sie denken an das Reinheitsgebot und an „Hopfen und Malz!“

Der geschätzte Leser kennt sicher weitere profanierte Stoßgebete, die man nicht unbedingt anwenden sollte. Wenn man Mt. 12.36 dagegen hält: „Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts …“

Thomas von Kempen überschreibt ein Kapitel in seiner Nachfolge Christi: „Dass man überflüssiges Reden meiden soll.“ (köstlich und lesenswert) Von den drei Sieben des Sokrates soll hier erst gar nicht die Rede sein.

Und im 2. Gebot des Dekalogs liest man: „Du sollst den Namen deines Gottes nicht missbrauchen, denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.

Aber es gibt auch Menschen, die mit dem Namen Gottes zurückhaltender umgehen. So soll es Sitzungen kirchlicher Gremien geben, wo der Name Gottes kaum noch vorkommt!!?

Liebe Leser, dies ist eine Glosse, die zum Nachdenken anregen soll. Man muss ja nicht alles nachbeten, was irgendeiner gedankenlos vorgebetet hat.

Und mal ehrlich – ist Denken und Nachdenken nicht eine wunderbare Sache, auch und gerade für Christen?

Der hl . Paulus redet im 1. Timotheusbrief so von Gott:

„Dem König der Ewigkeit, dem unvergänglichen, unsichtbaren, einzigen Gott, der allein die Unsterblichkeit besitzt, der in unzugänglichem Licht wohnt, den kein Mensch zu sehen vermag, ihm sei Ehre und Herrlichkeit in Ewigkeit!“ Amen! Amen! Amen!

Am Allerseelentag 2014
F. J. Block

© 2013 St. Altfrid Gifhorn / Meine